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 01.08.2003

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Handelsblatt Nr.146 vom 01.08.03 Seite 38


Banken holen sich Daten über Immobilien per Mausklick

 
  

"Immoment" beschleunigt Gebäudebewertung und Kreditentscheidunng


SIEGFRIED GRASS HANDELSBLATT, 1.8.2003 BOCHUM. Das entscheidende Kriterium für die Bewertung eines Immobilienobjektes ist bekanntermaßen die Lage. Doch nach welchen Kriterien lassen sich gute und schlechte lagen voneinander unterscheiden? Ist eine heute als gut eingestufte Gegend auch künftig ein bevorzugter Ort? Fragen, die sich alle stellen, die mit der Bewertung, dem Kauf und Verkauf von Immobilien zu tun haben.


Neben Erfahrung zählen Informationen. Während man Erfahrungen erst mit der Zeit gewinnt, sind die Informationen über bestimmte Immobilien in der Regel bereits vorhanden. Man muss sie nur zusammentragen. Im Zeitalter der automatischen Informationsverarbeitung und des Internets kann dieser mühsame Prozess durch den Zugriff auf eine Datenbank abgekürzt werden. Aus der Datenbank "Immoment" mit 5,9 Terabytes lassen sich vielfältige Informationen über die rund 17,5 Millionen deutschen Immobilien zwischen Sylt und Kempen abrufen.


"Würde man diese Informationen alle ausdrucken, würde das ein Papierstapel ergeben, der umgekippt von Bochum bis hinter Nürnberg reichen würde", beschreibt Michael Andrae, Geschäftsführer der Bochumer Immo-Check, Gesellschaft für Informationsservice mbH, das gewaltige Informationsangebot der Datenbank. "Einfach gesagt", führt Andrae aus, "sammeln wir alle möglichen Informationen über Immobilien und dazu verknüpfbaren Daten, bereiten sie geodätisch (vermessungstechnisch) auf und bieten sie konzentriert wieder an." Damit wird Kreditsachbearbeitern, Maklern und anderen Immobilienprofis viel Arbeit mit einem Mausklick abgenommen.


Das Angebot der Bochumer ist derzeit noch eine Lösung für Profis - B2B, wie es in der Internet-Fachsprache heißt. Nur eindeutig identifizierte Nutzer hätten Zugang zum System, versichert Andrae und fügt angesichts der Brisanz solcher Datenmengen gleich hinzu: "Alles ist datenschutzrechtlich überprüft."


Für Uwe Jablonka, Leiter der Abteilung Baufinanzierung bei der Westdeutschen Immobilienbank, ist Immoment längst ein unersetzliches Arbeitsmittel: "Als überregional tätiges Institut sind wir darauf angewiesen, dass wir in Deutschland über die zu finanzierenden Objekte jeweils die aktuellsten Informationen bekommen. Da hilf uns Immoment weiter, weil wir über eine zentrale Plattform die entsprechenden Daten gesammelt abrufen können." Konkurrenzangebote zu Immoment gibt es derzeit praktisch nicht. Und wenn, dann sind sie erst im Aufbau begriffen.


Wenn es um die Bewertung einer Immobilie geht, dann reicht längst nicht mehr ein Blick in den Stadtplan. Es gibt neben der Beschreibung des Objektes sehr viel mehr Indikatoren: das Wohnumfeld, seine Lage im Siedlungsraum, seine Nutzung und vor allem die soziodemographische und sozioökonomische Struktur der Konsumenten im Objekt selbst oder in seinem unmittelbaren Umfeld. Die Anschrift wird geo-referenziert. Die Geo-Referenz, das ist ein Code aus genauer Zuordnung von Längen- und Breitengrad, ist dann Ausgangspunkt für alle weiteren Recherchen.


Indikatoren zur Bewertung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Konsumentenkrediten wie zur Beurteilung der Mobilität der Bewohner und gewerblichen Nutzer im Objekt und seinem Umfeld gehören zu den Informations-Komponenten. Zu gewerblichen Immobiliennutzern werden klassifizierte Branchen-, Umsatz- und Mitarbeiterangaben gemacht. Ein Klick mit der Maus stellt die Verbindung zur Wirtschaftsauskunft her.


"Erst aus dieser Vielzahl von Informationen entsteht das exakte Bild einer Immobilie", schildert Andrae das Angebot. "Erst wenn alle verfügbaren und entscheidenden Daten sinnvoll miteinander verknüpft und objektbezogen, einschließlich Karten und Bildern, präsentiert werden, lässt sich eine Immobilie hinreichend objektiv bewerten." So werden reine Gebäude- und Grundstücksinformationen mit variablen und möglichst zeitnahen Daten zu Standort, Objekt- und Flächennutzung, Bodenrichtwerten, Mieten und Wirtschaftsgrunddaten ergänzt.


Die Bearbeitung von Darlehensanträgen lässt sich so deutlich beschleunigen. Andrae: "Erst durch die schnelle Abfragemöglichkeit einer Vielzahl von Daten lässt sich eine regelmäßige Risikoanalyse und damit die Beobachtung der Risiken im Immobiliengeschäft mit vertretbarem Aufwand realisieren." Und damit biete Immoment eine technische Lösung, mit der Finanzinstitute den veränderten Anforderungen gemäß "Basel II" nachkommen können. Basel II verlangt von den Banken eine risikoadäquate Bereitstellung von Eigenkapital, wobei die Kreditinstitute in Abstimmung mit der Bankenaufsicht eigene Risiko- Bewertungssysteme einsetzen können.


Wenn Banken mehrere Tausend Immobilienkredite zu verwalten haben, bedeutet eine händische Überprüfung trotz der Online-Abfragemöglichkeiten immer noch ein immenser Aufwand. Daher bietet Immo-Check auch Softwarelösungen an, um eine Integration der Immoment-Daten automatisch in Geschäftsprozesse einzubinden. Durch die Benutzerkennung wird je nach Benutzergruppe die jeweilige Zugangstiefe zu den verfügbaren Daten gesteuert. So werden auch nur die tatsächlich abgerufenen Informationen ("Pay-per-click") abgerechnet.


Autor: Grass, Siegfried
Dokumentnummer 080301749

  
  
  
 

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